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Wege zur Freiheit - Interview mit Johann Adam zu Libberahl über Politik im Vormärz


Das Neigungsfach Geschichte 12 am HFG Oberkirch besuchte vor einiger Zeit zum Auftakt der unterrichtlichen Behandlung der Revolution von 1848/49 in Rastatt die "Erinnerungsstätte für die Freiheitsbewegungen in der deutschen Geschichte". Mit Hilfe der informativen und didaktisch sehr ansprechenden Download-Materialien des Museums ergründete der Kurs weitgehend selbständig Ursachen, Verlauf und Folgen der Revolution von 1848/49. Zum Einsatz kamen dabei auch Vorlagen, die einen kreativen Umgang mit der Thematik erlauben, wie z. B. Fragen an einen fiktiven Zeitgenossen der Revolution. Kursmitglied Chris übernahm dabei die Rolle der erdachten Person Johann Adam zu Libberahl. Die Fragen entstammen einer Handreichung der Erinnerungsstätte.


Interviewer: Liebe Zuschauerinnen und Zuschauer! Wir sind auf den Wegen zur Freiheit in Deutschland im Vormärz angekommen. Gemeint ist damit der Zeitraum zwischen 1815 und der Märzrevolution 1848.
Im Vormärz braut sich etwas zusammen. Die Leute sind unzufrieden. Das Land steckt in einer tiefen Krise: politisch, sozial und wirtschaftlich. Die Stimmung wird zunehmend explosiv.
Unser Studiogast heute ist der berühmte Johann Adam zu Libberahl. Er hat diese Krisenjahre als führender Politiker der liberalen Opposition hautnah miterlebt. Von ihm möchten wir jetzt einiges erfahren.
Die Globalisierung verändert unser Leben. Der rasante Wandel schafft Gewinner, aber auch Verlierer: viele Menschen sind heute arbeitslos. Mit welchen Problemen hatten die Menschen damals zu kämpfen?
Johann Adam zu Libberahl: Das Fehlen einer Verfassung, die Freiheit, Rechtsgleichheit, Menschenrechte und Partizipationsmöglichkeiten für das gebildete Bürgertum gewährleistete, war das größte Problem, mit dem wir zu kämpfen hatten.


Interviewer: Jeder von uns hat seine persönlichen Träume und Wünsche. Im Vormärz soll es aber politische Träume gegeben haben, die von vielen Menschen geteilt wurden. Wovon haben diese Leute geträumt?
Johann Adam zu Libberahl: Wir träumten von einem einheitlichen, freien deutschen Verfassungsstaat nach französischem Vorbild. In einem frei gewählten Parlament sollten bürgerliche Volksvertreter auf das politische Geschehen Einfluss nehmen können.
Die Radikalen unter uns erstrebten sogar eine vollständige Abschaffung der privilegierten ersten beiden Ständen und eine vom Parlament eingesetzte Regierung.
Der Staat sollte Grund- und Menschenrechte, sowie Freiheit des Individuums gewährleisten und verteidigen.


Interviewer: Sie haben für unsere Zuschauer eine schwarz-rote Fahne mit Goldrand mitgebracht. Die Farben unserer deutschen Flagge sind heute dieselben. Was bedeuteten Ihnen damals diese Farben?
Johann Adam zu Libberahl: Die Farben "scharz, rot, gold" waren unser Symbol für Freiheit und Einheit unserer Nation in wirtschaftlicher, politischer und kultureller Hinsicht. Ich bin sehr stolz, dass diese Farben heute die Nationalflagge des freien Deutschlands zieren.


Interviewer: Sie sind im Vormärz politisch ungeheuer aktiv gewesen. Viele Menschen haben sich Ihnen angeschlossen und Ihre Forderungen unterstützt. Wer sind diese Leute? Auf wen konnten Sie sich dabei verlassen?
Johann Adam zu Libberahl: Mitglieder unserer Bewegung waren vor allen Dingen das gebildete Bürgertum, der Reformadel, junge Patrioten und Studenten. Mein bester Freund war zu der Zeit der Revolutionär Frech aus Oberkirch.


Interviewer: Information und Kommunikation ist heute alles. Wie haben Sie damals die Leute erreicht und zum Mitmachen begeistert?
Johann Adam zu Libberahl: In den Staaten, die bereits eine Verfassung hatten, wie zum Beispiel Baden, Württemberg oder Bayern konnten die Anhänger unserer nationalen liberalen Bewegung ihre politischen und gesellschaftlichen Ideen über die Presse, also Zeitungen und Flugblätter verbreiten. Bei uns in Preußen, aber auch in Österreich und den meisten anderen deutschen Bundesstaaten, mussten sich die Liberalen im Untergrund organisieren. Wir versammelten uns heimlich in Vereinen, schrieben geheime Briefe und Flugblätter, jedoch stets anonym, da die politische Opposition höchst illegal war und wir unter ständiger Beobachtung der Polizei standen.


Interviewer: Die damalige Regierung hatte wenig Verständnis für ihre politische Überzeugung. Unterdrückung und Verfolgung gehörten zum Alltag. Worunter hatten Sie besonders zu leiden?
Johann Adam zu Libberahl: Da wir alle vom revolutionären Eifer erfüllt waren, litten wir besonders darunter, unsere Gedanken und Meinungen nicht öffentlich verbreiten zu können. So fiel es uns sehr schwer, eine revolutionäre Masse zu mobilisieren. Außerdem litt ich sehr stark darunter, miterleben zu müssen, wie enge Vertraute mit ähnlicher politischer Gesinnung gestellt und verurteilt wurden.

Interviewer: Wenn Sie auf Ihren Weg zur Freiheit zurückschauen: Welche Ihrer Träume und Wünsche haben sich mittlerweile erfüllt?
Johann Adam zu Libberahl: Die Demokratie, wie sie heute im einheitlichen Deutschland praktiziert wird, ist mehr als ich mich jemals zu träumen gewagt hätte. Menschen aus allen Bevölkerungsschichten sind gleichberechtigt und haben die Möglichkeit, ihre Meinung frei zu äußern und auf das politische Geschehen des Landes Einfluss zu nehmen; auch wenn Deutschland einen Umweg in die Moderne ging, den ich verurteile und der einen dunklen Schatten auf die Geschichte unserer Nation wirft.
Interviewer: Herr zu Libberahl! Wir danken Ihnen sehr für dieses Gespräch.

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