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Warum gab es zwischen 1789 und 1815 nicht auch in Deutschland eine Revolution?

Text: Hans-Ulrich Wehler: Deutsche Gesellschaftsgeschichte. Erster Band. München 1987. S. 354 bis 361.
Arbeitsform: Einzel- und Gruppenarbeit
Methode: Exzerpieren einer problemorientierten wissenschaftlichen Darstellung -Reorganisation, analytische Strukturierung und Interpretation der exzerpierten Information
Ergebnissicherung: Veröffentlichung der Gruppenergebnisse in Stichworten

Nach Wehler blieb in der Zeit der Französischen Revolution und der napoleonischen Ära eine Revolution in Deutschland aus folgenden gesellschaftlichen und politischen Gründen aus:

1. Gesellschaftliche Gründe
- fehlender Elitenkonflikt zwischen gebildetem Bürgertum und monarchischem Staat
- Fehlen der revolutionären Intelligenz als Träger einer Revolution
- keine Adelsfronde: Staatsnähe des Adels, Integration in die Staatsbürokratie
- konservatives Stadtbürgertum
- Bildungsbürgertum nicht revolutionär, vertraute auf Reformen von oben
- zu kleines revolutionäres Potential ("Deutsche Jakobiner" ohne Massenbasis)
- für das Bürgertum war die monarchische Ordnung nicht in einer ähnlichen Legitimationskrise wie das Ancien Régime in Frankreich
- verbreitete und stark religiös fundierte Untertanenmentalität
- Lage der Bauern in Deutschland erträglicher als in Frankreich, bessere Rechtsstellung vor allem im Westen und im Süden Deutschlands

2. Politische Gründe
- keine deutsche Hauptstadt, in der die Revolution ablaufen hätte können
- Wirkung des aufgeklärten Absolutismus, des Reformabsolutismus, Reformfähigkeit der alten Ordnung, Reformschub in der Zeit der napoleonischen Besetzung
- partielle Modernisierung durch Reformen von oben, defensive, antirevolutionäre Modernisierung von oben zum Machterhalt
- Preis hierfür: Defizite in der poltischen Modernisierung im Vergleich zu GBR, USA und Frankreich- Dominanz der Staatsbürokratie und Verfestigung obrigkeitsstaatlichen Denkens
- Wehlers Interpretation läuft auf die These vom "deutschen Sonderweg" hinaus

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