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Erwartungshorizont Klausur zum Thema „Modernisierung durch Industrialisierung"

Aufgabe 1: Die Statistiken zeigen die Bedeutung des Eisenbahnbaus für den Take-Off der Industrialisierung in Deutschland ab 1845. (10p)
Sie verdeutlichen auch die Katalysatorwirkung des Eisenbahnbaus für die wirtschaftliche Modernisierung bzw. Industrialisierung Deutschlands (1d und 1e)
Sie zeigen die Rolle des Eisenbahnbaus als Leitsektor für die Industrialisierung (1a und 1e)
Der Eisenbahnbau bewirkte eine Verkehrs- und Mobilitätsrevolution. Immer mehr Menschen und Güter konnten in immer schnellerer Zeit zu immer günstigeren Kosten immer weiter transportiert werden. (1a,b,c)
Der Handel in Deutschland erfuhr eine enorme Intensivierung. Sie beschleunigte die Entstehung eines nationalen Markts in einem Land, das erst ab 1871 über einen Nationalstaat verfügte.
Der Eisenbahnbau entwickelte sich zu einem bedeutenden Anlagengeschäft. Enorme Kapitalmengen wurden in den Eisenbahnbau investiert. Diese Investitionen versprachen gute Renditen, so dass es immer wieder zu Reinvestitionen gab. (1d)
Der Eisenbahnbau förderte damit auch die Entwicklung moderner Formen des Finanzkapitalismus (Bankenwesen, Aktiengesellschaften etc.).
Die Eisenbahn entwickelte sich zu einem Massenverkehrsmittel.
Vom Eisenbahnbau gingen rückwärtige Koppelungseffekte aus. Der Bedarf an Roheisen stieg mit dem Ausbau des Schienennetzes stark. Die Eisen- und eisenverarbeitende Industrie wuchs. Der Bergbau musste damit ebenfalls intensiviert und extensiviert (neue Zechen) werden. Vom Eisenbahnbau gingen auch Vorwärtskoppelungseffekte aus. Die Transportleistung nahm ständig zu. Der Handel wurde intensiviert. Neue Wirtschaftsstandorte entstanden. Diese mussten wiederum ans Gleis angeschlossen werden. Dies machte neue Linien nötig.

Aufgabe 2: Wirtschaftlicher Modernitätsvorsprung Großbritanniens (8p)
Erwartet wird eine strukturierte Erläuterung der Ursachen für die wirtschaftliche Vorreiterrolle Großbritanniens. Die Antwort sollte zwischen naturräumlichen, politischen, sozialen, wirtschaftlichen und technischen Gründen unterscheiden.

Aufgabe 3: Soziale Frage – Analyse des Ansatzes von Schmoller (Verein für Sozialpolitik) (8p)
Schmoller plädiert für soziale Reformen. Er lehnt eine revolutionäre Umgestaltung der bestehenden bürgerlichen und kapitalistischen Ordnung klar ab.
Er setzt auf staatliche Reformen zum Schutz und zur besseren Entlohnung der Arbeiter (Fabrikgesetze, Fabrikinspektionen, Tarifverträge).
Der Staat solle aber nur lenkend und kontrollierend eingreifen, und zwar dann, wenn Arbeiter und Unternehmer nicht selbst zu vernünftigen Lösungen finden.
Er befürwortet die Marktwirtschaft, will sie aber für die Arbeiter erträglich gestalten. Sein Ansatz läuft auf eine Art soziale Marktwirtschaft hinaus, wie sie wesentlich später in der Bundesrepublik Deutschland realisiert wurde. Er betont auch die Bedeutung der staatlichen Erziehungs- und Bildungspolitik. Außerdem setzt er sich für gerechte Einkommens- und Vermögensverteilung ein. Dies impliziert ein Plädoyer für progressive Besteuerungen.

Aufgabe 4: Marxistische Gegenrede zu Schmoller (6p)
Die Antwort ist formgerecht abzufassen. Deutlich werden muss, dass ein überzeugter Marxist Schmollers reformerischen Ansatz eine klare Absage erteilen muss. Der bürgerlich-kapitalistische Klassenstaat würde bei der Realisierung Schmollers Ansätze nur verschleiert, die grundlegenden Gegensätze zwischen Kapitalisten und Arbeiter blieben bestehen. Die Ausbeutung und Entfremdung des Proletariats hätten kein Ende. Erst die Übernahme der Macht durch das Proletariat nach einer Revolution und damit nach der Zerschlagung des bürgerlich-kapitalistischen Staat kann zu einer gerechten und ausbeutungsfreien Ordnung führen. Diese Revolution sei unausweichlich. Marx habe diese mit seiner Lehre vom historischen und dialektischen Materialismus bzw. auch mit seiner Verelendungstheorie klar bewiesen. In noch grundsätzlicherer Form würde ein Marxist auch das ganze Welt- und Geschichtsbild Schmollers ablehnen. Geschichte ist nicht das „Resultat jahrhundertelanger Arbeit“, nicht die Folge von Reformen, die sich irgendwann auch gegen Widerstände durchsetzen. Geschichte ist immer die Geschichte von Klassenkämpfen.

Aufgabe 5 These zur wirtschaftlichen Entwicklung der USA (1860 bis 1930) (8p)
Die wirtschaftliche Entwicklung der USA verlief in der Tat krisenhaft. Die These ist nicht falsch, muss aber nuanciert werden. Krisenhafte Erscheinungen sind zunächst normale Folgen des kapitalistischen Konjunkturzyklus (Boom – Rezession – Depression). In ihrer konkreten Form waren sie lediglich Ausdruck der gegebenen industrie- und finanzkapitalistischen Ordnung der USA. Der angegebene Zeitraum war aber nicht nur krisengeschüttelt, sondern auch von großen Boomphasen geprägt. Die Phase des Big Business und der goldenen Zwanziger gilt es hier vorzustellen. Gleichzeitig müssen aber auch Krisenerscheinungen des Big Business besprochen werden (Kartellbildung, übersteigerter Korporatismus). Schließlich wird auch eine angemessene Darstellung der Ursachen und Folgen der Weltwirtschaftskrise von 1929 erwartet.

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